Pflanze des Monats

AUGUST – Kermesbeere

Das ist schon eine sehr ungewöhnliche Pflanze. Und umstritten obendrein! Doch zunächst zum Positiven, also, ich mag sie total.  Und das aus vielen Gründen: sie wächst rasant, in einem Sommer bis auf 1, 50 Meter. Sie hat wunderbare große fleischige Blätter, die niedrigen Pflanzen darunter Schatten spenden. Das tollste aber sind die Blüten. Lange kolbenförmige Blütentrauben, die sich aus vielen einzelnen Früchten zusammensetzen. Zu Beginn in edlem weiß, färbt sich diese Blüte allmählich in ein kraftvolles, leuchtendes Purpurviolett, daß zum Schluss fast schwärzlich glänzt. Die Früchte sind ein begehrtes Leckerli für Vögel. Die es allerdings wieder ausscheiden – und mit Pech hat man dann wenig schöne violette Flatschen auf den edlen hellen Terrassenplatten. Egal, ich möchte diese exotische Pflanze, die eine phänomenale Skulptur ist,  in meinem Garten nicht missen. Bei mir wächst die Indische Kermesbeere (Phytolacca acinosa), deren Blütenstände steil aufrecht nach oben ragen – im Gegensatz zur Amerikanischen, dort neigen sie sich bogenförmig nach unten. Die Indische Variante ist auch in Asien verbreitet, in China galt sie schon vor 7 000 jahren als Nahrungs- und Heilpflanze, bis heute. Doch Vorsicht, Teile der Pflanze sind giftig, Kinder sollte man von den hübschen glänzenden  Purpur-Beeren fernhalten.  So extravagant die Erscheinung, so absolut pflegeleicht ist sie. Ach was, sie braucht nämlich null Pflege. Kein Wasser, kein Dünger – und sie gedeiht doch. Hält selbst größte Hitze aus, liebt Sonne, macht zwar tagsüber ein wenig schlapp, um am nächsten Morgen wieder Haltung angenommen zu haben. Also, schlicht perfekt für die kommenden heißen und trockenen Klimawandel-Sommer. Zumindest in privaten Gärten. In Wäldern breitet sie sich teils ungehemmt aus und da sie dann einhemische Pflanzen verdrängen und unterdrücken kann, wird sie je nach Region gar nicht gern gesehen, sogar als invasiv bekämpft. Sei’s drum, bei mir darf sie bleiben!

 

Foto: Christa Hasselhorst

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